Parallele Leben: Picasso und Munch im Museo Picasso Málaga

Frankfurter Allgemeine · Stefan Trinks ·

Oslos kalte Sonne in Paris: Pablo Picasso und Edvard Munch hatten sehr viel mehr miteinander zu tun, als man denkt. Das berauschende Museo Picasso in Málaga beweist es in einer überragenden Schau.

Picasso und Munch : Norwegische Seele stößt auf spanisches Herz

Oslos kalte Sonne in Paris: Pablo Picasso und Edvard Munch hatten sehr viel mehr miteinander zu tun, als man denkt. Das berauschende Museo Picasso in Málaga beweist es in einer überragenden Schau.

Ertragreicher als Ausstellungen, die den direkten Einfluss eines älteren Künstlers auf einen jüngeren eruieren wie aktuell in der Wiener Albertina die offensichtliche Inspiration Pablo Picassos auf Francis Bacon, erscheinen Dialoge auf Augenhöhe über existenzielle Fragen. Ein solcher Dialog fand zwischen den gleichgenerationellen und zeitlebens gleich experimentierfreudigen Künstlern Picasso und Munch statt. Beide arbeiteten in Paris schon im Fin de Siècle um 1900; was der schwermütige Nordeuropäer Munch damals an psychologischem Traumatisierungs-Ballast mit sich trägt, findet ein ähnlich starkes und langes Echo in Picasso seit der erst 1904 mühsam überwundenen Blauen Periode. 1912 sieht Picasso Munchs Bilder auf der epochalen Kölner Sonderbund-Ausstellung und ist perplex über die vielen Wahlverwandtschaften – er teilt des Norwegers Interesse an den Abgründen der menschlichen Psyche und insbesondere an den Dramen Strindbergs. Ab einem bestimmten Punkt im Leben fliehen beide zudem die Großstadt, Picasso zieht aufs Land nach Südfrankreich, Munch ebenfalls, in ein Atelier am geliebten Meer.

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