Tiktok entscheidet gegen den Willen seiner Nutzer

Frankfurter Allgemeine · Johannes Winterhagen ·

Immer wieder Videos zum gleichen Thema gezeigt zu bekommen, ist Teil des Geschäftsmodells von Tiktok. Das beanstandet die EU-Kommission und droht mit Strafen.

Immer wieder Videos zum gleichen Thema gezeigt zu bekommen, ist Teil des Geschäftsmodells von Tiktok. Das beanstandet die EU-Kommission und droht mit Strafen.

Tiktok empfiehlt Kindern und Jugendlichen Videos über psychische Krankheiten und Magersucht selbst dann, wenn der Nutzer zuvor ähnliche Beiträge als „nicht interessiert“ markiert hat. Auch weitere Funktionen wie das komplette Auffrischen des Nachrichtenstroms führen nicht dazu, solche Filme nicht mehr angezeigt zu bekommen. Das ist das vorläufige Ergebnis eines Ermittlungsverfahrens, das die Europäische Kommission seit dem Jahr 2024 gegen die Plattform führt. Tiktok ist nun aufgefordert, seine Empfehlungsfunktion, die unter „For you“ angezeigt wird, zu ändern. Zuvor allerdings hat das Unternehmen das Recht, die von der Kommission zusammengetragenen Beweise zu sichten und Stellung zu nehmen.

Eine Mitarbeiterin der zuständigen Generaldirektion Connect hielt fest, dass es nicht um die Inhalte an sich ginge. Ob die legal seien oder nicht, läge in der Zuständigkeit der Mitgliedstaaten. Vielmehr verstoße die technische Ausgestaltung der Empfehlungen gegen das Gesetz zu digitalen Dienstleistungen (Digital Service Act, DSA). Es ist seit November 2022 in Kraft. Konkret lautet der Vorwurf, dass Tiktok eine nach dem Gesetz zwingende Risikoanalyse nicht sorgfältig genug durchgeführt und keine ausreichenden Gegenmaßnahmen getroffen habe.

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