Editorial: Europa ist erwacht – dank Donald Trump
Handelsblatt · Martin Knobbe ·
Kein US-Präsident hat Europa so wachgerüttelt wie Trump. Seine Niederlage bei den Midterms ist ein Grund zur Freude – aber eben auch zur Sorge, dass die neue Dynamik nachlässt.
Der litauische Präsident war in dieser Woche in Deutschland zu Gast, auch auf einem deutsch-litauischen Wirtschaftsforum in Düsseldorf, wo ich ihn gemeinsam mit Rheinmetall-Chef Armin Papperger auf der Bühne befragte. Gitanas Nausėda, Ökonom, früher Professor an der Universität Vilnius, erzählte, wie Wirtschaftskooperation einmal aussah: Die deutlich niedrigeren Arbeitskosten seien in der Vergangenheit der entscheidende Grund gewesen, warum europäische Unternehmen in sein Land gekommen seien. Eine der tragenden Säulen der Zusammenarbeit damals: der Import gebrauchter Autos nach Litauen.
Und heute? Der Münchner Drohnenhersteller Quantum Systems kooperiert eng mit dem litauischen Rüstungsunternehmen ADV Defense, Rheinmetall baut eine große Munitionsfabrik im Land, ein litauisches Unternehmen lieferte zuletzt die Technologie für deutsche Nahverkehrs-Apps. Und die Bundeswehr wird bis Ende 2027 dauerhaft eine Panzerbrigade in dem baltischen Staat stationiert haben.
Die neue Nähe der beiden Länder, die florierenden Wirtschaftsbeziehungen, der Fokus auf Verteidigung und Technologie – all das hat viele Ursachen, allen voran den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Ein anderer gewichtiger Grund aber heißt Donald Trump. Das sollten wir in unserer Euphorie über das neue Amerika nicht vergessen.
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